Pfarrpatron

 

Um die Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert – die Datierung schwankt in der Forschung zwischen 652 und 715, wobei man heute mehr zu einem späteren zeitlichen Ansatz neigt – kam der im westfränkischen Poitiers beheimatete Glaubensbote Emmeram an den Regensburger Herzogshof, entschlossen, zu den heidnischen Awaren weiterzuziehen. Herzog Theodo aber vermochte ihn zum Bleiben zu bestimmen, damit er als Bischof im Land tätig sei oder wenigstens eine Art Oberaufsicht über die klösterlichen Gemeinschaften übernehme.

Emmerams Wirken war aber von viel zu kurzer Dauer, als dass es nachhaltige Spu­ren hätte hinterlassen können, denn nach drei Jahren seines Aufenthalts in Bayern bereitete ihm ein Mitglied der herzoglichen Familie den Martertod. Solches jedenfalls erzählt Arbeo, der gelehrte Bischof von Freising (764-783), der zwei Generationen später aus mündlicher Überlieferung und Legendentradition seine berühmte „Vita et passio sancti Haimhrammi martyris“ verfasst hat. 

Ota, die Tochter des Herzogs, so will uns der Hagiograph glaubhaft machen, hatte ein unerlaubtes Verhältnis mit dem Sohn eines Hofbeamten. Als sie schwanger wurde und die Strafe des Herzogs fürchten musste, riet ihr Emmeram, sie solle ihn selbst als Verführer und Vater des zu erwartenden Kindes benennen. Unmittelbar danach machte sich der Gottesmann auf den Weg nach Rom, wurde aber in der Nähe von Kleinhelfendorf bei Aibling von Lantpert, einem Bruder Otas, eingeholt und im Zorn über das vermeintliche Vergehen Emmerams an seiner Schwester grausam zu Tode gefoltert.

Als historisch gesicherte Aussage lässt sich aus Arbeos Darstellung entnehmen, dass ein aus dem westfränkischen Raum stammender Abtbischof namens Emmeram um die Wende vom 7. zum 8. Jahrhundert in Bayern das Martyrium erlitten hat. Zuverlässig bezeugt ist ferner, dass Emmerams Leichnam nach Regens­burg überführt und bei der alten Georgskirche beigesetzt wurde, dass sich seine Verehrung bald größter Beliebtheit erfreute und man sein Gedächtnis schon um die Mitte des 8. Jahrhunderts am 22. September liturgisch beging.

An seinem Grab entstand bald die große Benediktiner-Abtei St. Emmeram, die bis zur Säkularisation zu den bedeutendsten Klöstern unserer Heimat zählte. Die alte Klosterkirche, heute Stadtpfarrkirche St. Emmeram, ist bis heute als Begräbniskir­che der beiden Regensburger Bistumspatrone Emmeram und Wolfgang ein Mittel­punkt unserer Diözese Regensburg.

Als im Jahre 1030 das Benediktinnerinnenkloster in Geisenfeld gegründet wurde, gab es schon eine Pfarrkirche mit dem Patronat St. Emmeram; man weiß nicht, seit wann. Die alte Pfarrkirche wurde zwar nach der Säkularisation profaniert und spä­ter abgerissen; bis heute ist aber Emmeram Patron der Stadt und der Pfarrei Geisenfeld.